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Gemeinderat: Das lassen wir uns nicht bieten
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, 10. Januar 2008 um 01:00

Hartmannsdorfer Parlament kündigt nach Amtsenthebung von Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus massiven Widerstand an

Im Hartmannsdorfer Gemeindeamt herrschte gestern Aufruhr. Nach der rechtskräftigen Verurteilung von Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus (CDU) wegen der Flutgeld-Affäre war die ehrenamtliche Ortschefin am Dienstag vom Dienst suspendiert worden. Gemeinderäte kündigten Widerstand an. Sie fürchten nach der Entmachtung der Amtsinhaberin um die Eigenständigkeit der Gemeinde.

Die Volksseele kochte gestern im Gemeindeamt. Für die Bürger stand die Tür der Gemeindeverwaltung wie immer offen, für die Bürgermeisterin nicht. „Ständig klingelte das Telefon. Wir hatten etliche Anfragen, ob das wahr ist. Die Leute sind einfach nur erbost", sagte Renate Klaußner, Angestellte in der Gemeindeverwaltung. Sie bekam mit der Suspendierung von Kerstin Nicolaus überraschend einen neuen Chef, Dachdeckermeister Rolf Dittrich, der stellvertretende Bürgermeister. Er war am Dienstagabend von Landrat Christian Otto (CDU) beauftragt worden, die Amtsgeschäfte zu übernehmen, nachdem Otto dem Rechtsanwalt von Kerstin Nicolaus deren Beurlaubung offeriert hatte.

Im Zusammenhang mit der unsachgemäßen Verwendung von Hochwasser-Fördermitteln hatte das Gericht auch Rolf Dittrich (CDU) mit zur Verantwortung gezogen. „Wir haben beim Flutgeld Fehler gemacht", räumte Dittrich ein. „Wer arbeitet, macht auch Fehler. Aber Kerstin Nicolaus hat in den 17 Jahren Amtszeit viel für den Ort getan, vor allem für Familien, Kindergarten, Schule, das Vereinsleben und die gesamte Infrastruktur im Ort. Ich bin enttäuscht, dass so etwas einfach vergessen wird."

Aus Sicht von Regierungspräsident Karl Noltze (CDU) hat die Ortschefin Foto: Marcus Richterwegen des erwiesenen Betrugs im Amt das Vertrauen der Öffentlichkeit in ihre Amtsführung dermaßen erschüttert, dass ein „Verbot der Dienstgeschäfte unausweichlich war". Gemeinderat Frieder Flechsig (CDU) sieht das anders. „Wir können davon ausgehen, dass die Mehrheit der Bürger hinter der Bürgermeisterin stehen und ihr vertrauen." Er bezeichnete die Amtsenthebung als „politische Intrige und Machtkampf", in der auch der Landrat eine unrühmliche Rolle spiele. „Kerstin Nicolaus hat für ihren Fehler bezahlt. Aber das ist eine doppelte Bestrafung", wetterte Flechsig. „Mir drängt sich der Verdacht auf, man will die Bürgermeisterin auf diese Weise noch vor den Bürgermeisterwahlen zu Fall bringen, so dass sie in einem halben Jahr gar nicht erst wieder kandidieren könnte. Offensichtlich weiß man, dass Kerstin Nicolaus diese Wahl wieder gewinnt. Gegen eine faire Bürgermeisterwahl ist nichts einzuwenden, aber was da gelaufen ist, das ist ein gnadenloser Abschuss."

Im Gemeinderat fürchtet man, dass mit dem Aushebeln der Amtsinhaberin einer frühzeitigen Eingemeindung Hartmannsdorfs nach Kirchberg der Weg geebnet werden soll." Da sind sich die Gemeinderäte einig. „Mit uns wird es weiterhin eine Verwaltungsgemeinschaft, aber keine vorzeitige Eingemeindung geben. Wir werden um unsere Eigenständigkeit kämpfen", sagte Gemeinderat Walter Herzig (CDU), der auch Vorsitzender des Feuerwehrvereins ist. Er glaubt, dass mit der Amtsenthebung von Kerstin Nicolaus das Vereinsleben einen Rückschlag erleiden könnte. Antje Bauer, Bürgerin aus Hartmannsdorf, stürmte gestern ungläubig ins Rathaus. „Ich bin völlig schockiert. Das werden wir so nicht hinnehmen. Unser Vertrauen hat sie nach wie vor. Wir haben sie gewählt, nicht der Landrat und auch nicht der Regierungspräsident", schimpfte die junge Frau. Wenn das Regierungspräsidium auf der Suspendierung beharrt, will es der Gemeinderat sogar auf ein Bürgerbegehren ankommen lassen.

Landrat Christian Otto weist unterdessen jede Anschuldigung zurück. „Die Angelegenheit ist aus meiner Sicht sehr bedauerlich. Ich bin als Landrat vom Regierungspräsident beauftragt worden, die Suspendierung auszusprechen. Das ist ein reiner Verwaltungsakt, zu dem ich verpflichtet bin. Frau Nicolaus hat die Möglichkeit, sich mit ihrer Rechtsvertretung in ihr Amt zurück zu klagen. Das liegt dann im Ermessen des Gerichts. Was die Befürchtungen zur Eingemeindung anbelangt, kann ich nur sagen, das ist falsch. Die Eingemeindung geht rechtlich nicht, und schon gar nicht ohne die Einwilligung des Parlaments", versicherte der Kreisverwaltungschef. (hans-peter kuppe)

Quelle: Freie Presse
Foto: Marcus Richter