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Lobgesänge auf Nicolaus, Schelte für Otto
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, 17. Januar 2008 um 01:00

Nach Amtsenthebung der Hartmannsdorfer Ortschefin kochen bei Bürgerversammlung die Emotionen hoch

Etwa 300 Hartmannsdorfer und Gäste aus dem Umland drängten sich am Dienstagabend in der örtlichen Kirche, um an der Einwohnerversammlung im Zusammenhang mit der Suspendierung von Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus (CDU) teilzunehmen.

Geprägt war die überaus emotional geführte Diskussion nicht nur von Lobgesängen auf die Bürgermeisterin und Unverständnis für die von Landrat Christian Otto (CDU) ausgesprochene Suspendierung. Es schwang auch die Befürchtung mit, die kommunale Selbstständigkeit zu verlieren. Nicolaus selbst gab sich kämpferisch und bezeichnete den Rummel um ihre Person als eine Art Hetzjagd. „Ich werde in jedem Falle um mein Amt kämpfen. Dafür brauche ich Ihre Unterstützung", stellte sie den Tränen nahe klar.

Dem soll auch eine Unterschriftenaktion dienen, bei der sich Hartmannsdorfer und Sympathisanten noch bis Monatsende mit der Bürgermeisterin solidarisch erklären können. Nicolaus' Anwalt, der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Steinbach, stärkte ihr den Rücken. „Die Umstände, wie auch die Begründung der Suspendierung sind aus meiner Sicht skandalös. Vor allem, weil Kerstin Nicolaus nach 17 Dienstjahren als Bürgermeisterin suspendiert wurde, ohne dass man sie zuvor angehört hat", sagte er.

Viel Beifall erntete Steinbach für seine Äußerung, die Rathauschefin habe nie die Foto: Andreas WohlandAbsicht gehegt, sich persönlich zu bereichern, sondern wollte allenfalls ihrer Gemeinde etwas Gutes tun. Auch sämtliche Redner aus dem Publikum lobten das außerordentliche Engagement von Nicolaus für den Ort und die Region. Zugleich kritisierten sie Landrät Christian Otto und legten ihm nahe, seine Entscheidung zu überdenken und zurückzunehmen. Dass dabei das Verlangen, er möge doch „zivilen Ungehorsam" gegenüber seinem Dienstherren zeigen, etwas blauäugig war, und auch manch unsachliche Äußerung aus der Anonymität der Masse fiel, lag in der stark gefühlsbetonten Atmosphäre der Veranstaltung begründet.

Otto stellte klar, auf Anweisung gehandelt zu haben. „Einer schriftlichen Aufforderung von Regierungspräsident Karl Noltze zum Verbot der Dienstgeschäfte hatte ich Folge zu leisten. Ich habe nachgefragt, diese Aufforderung galt als Weisung." Allerdings versprach Otto, dass es mit ihm keine fortführenden Verfahren gegen Nicolaus geben, er entsprechende Vorgänge ans Regierungspräsidium zur Bearbeitung zurückgeben werde.

Obwohl die Hartmannsdorfer hinter Nicolaus stehen, meldeten sich hinter vorgehaltener Hand auch kritische Stimmen. „Nichts gegen unsere Bürgermeisterin, aber ich halte das hier für übertrieben. Wenn ein normaler Bürger mit dem Gesetz kollidiert und die Konsequenzen tragen muss, würde das wahrscheinlich kein Schwein interessieren", sagte eine Hartmannsdorferin der „Freien Presse". Da sie massive Anfeindungen im Dorf fürchtet, wollte sie nicht namentlich genannt werden. (Andreas Wohland)

Quelle: Freie Presse