|
Nach Amtsenthebung der Hartmannsdorfer Ortschefin kochen bei Bürgerversammlung die Emotionen hoch
Etwa 300 Hartmannsdorfer und Gäste aus dem Umland drängten sich am Dienstagabend in
der örtlichen Kirche, um an der Einwohnerversammlung im Zusammenhang mit der Suspendierung von Bürgermeisterin Kerstin Nicolaus (CDU) teilzunehmen.
Geprägt
war die überaus emotional geführte Diskussion nicht nur von
Lobgesängen auf die Bürgermeisterin und Unverständnis
für die von Landrat Christian Otto (CDU) ausgesprochene
Suspendierung. Es schwang auch die Befürchtung mit, die
kommunale Selbstständigkeit zu verlieren. Nicolaus selbst gab
sich kämpferisch und bezeichnete den Rummel um ihre Person als
eine Art Hetzjagd. „Ich werde in jedem Falle um mein Amt kämpfen.
Dafür brauche ich Ihre Unterstützung", stellte sie den
Tränen nahe klar.
Dem
soll auch eine Unterschriftenaktion dienen, bei der sich
Hartmannsdorfer und Sympathisanten noch bis Monatsende mit der
Bürgermeisterin solidarisch erklären können. Nicolaus'
Anwalt, der CDU-Landtagsabgeordnete Christian Steinbach, stärkte
ihr den Rücken. „Die Umstände, wie auch die Begründung
der Suspendierung sind aus meiner Sicht skandalös. Vor allem,
weil Kerstin Nicolaus nach 17 Dienstjahren als Bürgermeisterin
suspendiert wurde, ohne dass man sie zuvor angehört hat",
sagte er.
Viel
Beifall erntete Steinbach für seine Äußerung, die
Rathauschefin habe nie die Absicht gehegt, sich persönlich zu
bereichern, sondern wollte allenfalls ihrer Gemeinde etwas Gutes tun.
Auch sämtliche Redner aus dem Publikum lobten das
außerordentliche Engagement von Nicolaus für den Ort und
die Region. Zugleich kritisierten sie Landrät Christian Otto und
legten ihm nahe, seine Entscheidung zu überdenken und
zurückzunehmen. Dass dabei das Verlangen, er möge doch
„zivilen Ungehorsam" gegenüber seinem Dienstherren
zeigen, etwas blauäugig war, und auch manch unsachliche Äußerung
aus der Anonymität der Masse fiel, lag in der stark
gefühlsbetonten Atmosphäre der Veranstaltung begründet.
Otto
stellte klar, auf Anweisung gehandelt zu haben. „Einer
schriftlichen Aufforderung von Regierungspräsident Karl Noltze
zum Verbot der Dienstgeschäfte hatte ich Folge zu leisten. Ich
habe nachgefragt, diese Aufforderung galt als Weisung."
Allerdings versprach Otto, dass es mit ihm keine fortführenden
Verfahren gegen Nicolaus geben, er entsprechende Vorgänge ans
Regierungspräsidium zur Bearbeitung zurückgeben werde.
Obwohl
die Hartmannsdorfer hinter Nicolaus stehen, meldeten sich hinter
vorgehaltener Hand auch kritische Stimmen. „Nichts gegen unsere
Bürgermeisterin, aber ich halte das hier für übertrieben.
Wenn ein normaler Bürger mit dem Gesetz kollidiert und die
Konsequenzen tragen muss, würde das wahrscheinlich kein Schwein
interessieren", sagte eine Hartmannsdorferin der „Freien
Presse". Da sie massive Anfeindungen im Dorf fürchtet,
wollte sie nicht namentlich genannt werden. (Andreas Wohland)
Quelle: Freie Presse
|